Eine Säule, die ein Pfeiler ist

Auf der Landesstraße zwischen Steinbrunn und Zillingtal steht – gleich nach der ersten Steigung – auf der linken Straßenseite unter Bäumen die sogenannte Sebastiansäule. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Säule. Und der „Sebastian“ ist verschollen.

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Die Sebastiansäule (auch Sebastianisäule) soll der Sage nach die dritte Sinkenbrunner Votivsäule – eine Pestsäule – sein (zu den Votivsäulen). Es soll vier Votivsäulen rund um den Ort gegeben haben, die gleichsam als Schutz gegen Gefahren von außen fungierten.

Bei der Sebastiansäule handelt sich aber eigentlich nicht um eine Säule (immer rund), sondern um einen Pfeiler mit einem Abakus („Tischplatte“).

Am Pfeiler befindet sich die Inschrift „Andreas / Matasoliz„, deren Vertiefungen mit schwarzer Farbe nachgezogen sind. Darüber wurde eine (unpassende) Marmorplatte montiert: „Sebastiansäule 1731 Renoviert 1975 1987“.

Auf dem Abakus stand bis in die Nachkriegszeit eine Sebastiansfigur (Hl. Sebastian, von Pfeilen durchbohrt), die als stark verwittert beschrieben wird.

Zum Schicksal der Figur gibt es unterschiedliche Angaben. Laut Landestopographie ist die Statue 1956 verschwunden. An anderer Stelle heißt es, sie sei in der Nachkriegszeit renoviert worden. Fakt ist, dass unbekannte Täter am 24. August 1976 die Steinfigur des „Heiligen Sebastian“ vom Sockel stahlen.

Offene Fragen: 

1. Handelte es sich um die 1976 gestohlene Figur um die Originalstatue oder um einen Ersatz aus dem 20. Jahrhundert, der nach 1956 aufgestellt wurde?

2. Die Datierung auf der Säule „1731“ bezieht sich auf die Inschrift. Damit wäre der Pfeiler allerdings deutlich jünger als die anderen Pestkreuze in Steinbrunn, die alle aus dem 17. Jahrhundert stammen.

3. Ursprünglich stand die „Säule“ westlich der Straße. Das ist auf alten Karten gut zu erkennen.

Auch diese Aufnahme aus der Landestopographie (vor 1963) zeigt diesen anderen Standort – der Fotograf stand auf der Straße. Schon damals fehlte die Sebastiansfigur auf dem Pfeiler, der sich bedrohlich zur Seite neigt. Zwischen dieser Aufnahme und dem Jahr 1976 muss daher wieder eine Figur montiert worden sein.

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Laut unterschiedlicher Angaben von Zeitzeugen erfolgte die Umsetzung in Folge der Kommassierung oder der Straßenerweiterung oder aufgrund des schadhaften Fundaments auf den neuen, geschützten Standort.

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