1895: Hochwürden wird beschuldigt

Ein Geistlicher und die Finanzen. 1895 liefen gegen den Pfarrer von Steinbrunn Erhebungen wegen „Ordnungswidrigkeiten“ bei der Verwaltung der Pfarrpfründe.

Pfarrer erhielten früher kein Gehalt, sondern waren auf die Einnahmen aus den der Pfarre gehörenden Liegenschaften und Rechten angewiesen. Daher war die Verwaltung dieser Pfarrgründe auch eine wichtige Aufgabe des Pfarrers. Um das Jahr 1895 dürfte der Pfarrer von Steinbrunn, Martin Radnasics (auch Radnasich), ins Schussfeld der Justiz geraten sein. Die Justizbehörden reisten sogar vor Ort nach Steinbrunn, um die Sachlage zu prüfen. Die Zeitung „Pester Llyod“ schrieb im April 1895 Folgendes:

Ödenburg … Gestern traf als Telegirter des Kultus- und Unterrichtsministeriums der Sektionsrath Karl Cserny hier ein und konscrirte Mittags mit dem Obergespan v. Simon. Der Zweck seiner Mission war, in Angelegenheit der Ordnungswidrigkeiten, welche bei der Verwaltung von religiösen Stiftungen seitens des katholischen Pfarrers in Stinkenbrunn, Martin Radnasics, begangen wurden, an Ort und Stelle eine Untersuchung zu pflegen. Der Sektionsrath begab sich von hier nach Stinkenbrunn, wo ihn der inzwischen verständigte Oberstuhlrichter bereits erwartete. Das Resultat der gepflogenen Untersuchung ist noch unbekannt.

Über die genauen Vorwürfe, die gegen den Pfarrer erhoben wurden, sagt der Artikel nichts aus. Auch wissen wir nicht, wie das Verfahren ausgegangen ist.

Schwerwiegende Verfehlungen dürften aber nicht nachgewiesen worden sein. Martin Radnasich blieb nämlich bis in die 1920er Jahre Pfarrer in Steinbrunn.

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