1888 wurde die Freiwillige Feuerwehr Steinbrunn (Stinkenbrunn) gegründet. Aus diesem Jahr stammen die genehmigten Statuten für die Vereinsgründung, so wird es auch stets kommuniziert (zB auf der Homepage der FF Steinbrunn oder hier im Blog).
Weitgehend unbeachtet ist allerdings, dass schon vor 1888 in Steinbrunn eine (freiwillige) Feuerwehr bestand. Diese Feuerwehr hatte aber keine fixen Strukturen, vor allem kein eigenes Vereinsstatut. Erst 1888 wurden alle Gemeinden gesetzlich verpflichtet, entweder eine Freiwillige Feuerwehr als Verein oder eine Berufsfeuerwehr einzurichten. Das war auch der eigentliche Anlass zur Gründung des Vereins Freiwillige Feuerwehr Steinbrunn 1888.
Es wurde 1888 also bloß aus der bisher bestehenden Feuerwehr-Gruppe ein richtiger Verein. Wie lange vor 1888 diese Feuerwehrgruppe bestand, ist nicht bekannt. Im Zuge der vielen vernichtenden Großfeuer im 19. Jahrhundert (zB 1854, 1864; Liste hier) war der Dorfbevölkerung sicherlich schmerzlich bewusst geworden, dass die Gemeinschaft für Brandfälle Vorkehrungen treffen muss und bloße Nachbarschaftshilfe nicht ausreicht.
Es bestand ein Löschzug (Löschtrain), der im Fall des Falles rasch einsatzbereit war. Dazu bedurfte es Planungen zu Fuhrwerken und Werkzeug (zB Schaufeln), aber auch Klarheit, wer einen Einsatz mit welchen Befehlen leitete. Wir wissen von einem Einsatz dieser „freiwilligen Feuerwehr vor der Freiwilligen Feuerwehr“. 1877 brach im benachbarten Neufeld ein Großbrand aus, der die dortige Feuerwehr rasch überforderte. Die Wiener Neustädter Nachrichten schrieben:
Großer Brand in Neufeld
Zur Mittagszeit kam in der jenseits der Leitha nächst Ebenfurth gelegenen Orte Neufeld ein heftiger Brand zum Ausbruch der in unglaublich schneller Zeit die ganze Ortschaft zu vernichten drohte. Die mit allem Kraftaufgebote arbeitenden Löschtrains der dortigen Umgegend erwiesen sich als zu gering, und es wurde der Telegraf nach allen Richtungen in Bewegung gesetzt Hilfe herbeizurufen. Die hiesige freiwillige Feuerwehr entsandte unverzüglich zwei Löschzüge, welche unter Commando Dr. Wedl’s um halb vier Uhr am Brandplatze erschienen. Es standen zu dieser Zeit vierzehn Häuser und neun Scheuern in hellen Flammen. Den großen Bemühungen Aller gelang es, den Brand auf diese Objecte zu lokalisiren. Die Verluste der Betroffenen sind dennoch sehr bedeutend, die wenigsten der Brandobjekte sind assekurirt. Auf welche Art das Feuer entstand ist nicht bekannt, außer etlichen Schweinen, welche im Brande umgekommen, hatte auch ein Hund an der Kette sein Ende gefunden. An Menschenleben und sonstigen Unfällen ist nichts zu beklagen. Bei der Bewältigung des Brandes waren thätig außer der Ortsfeuerwehr Neufeld die freiwilligen Feuerwehren aus Wampersdorf, Pottendorf, Siegersdorf, Zillingdorf, Ober- und Untereggendorf, Fabrik-Ebenfurth, Stadt-Ebenfurth, Wimpassing, Stinkenbrunn und Obereggendorfer Papierfabrik. Gegen 7 Uhr Abends konnte die Mehrzahl der herbeigeeilten Löschtraine den Rückweg antreten, da die Gefahr als bewältiget angesehen werden konnte.
Man beachte: Zur Mittagszeit brach der Brand aus und es gelang offenbar schon am Nachmittag, ein große Anzahl von Feuerwehrleuten nach Neufeld zu bekommen. Das setzt voraus, dass in den angeführten Ortschaften schon Strukturen bestanden: man wusste, was benötigt wurde und was zu tun war. Der Steinbrunner „Löschtrain“ der freiwilligen Feuerwehr stand im Einsatz.