Gustav Degen in Steinbrunn

Gustav Degen – ein klingender Name im Bezirk Mattersburg. Eine der Mattersburger Hauptstraßen ist nach ihm benannt. Gustav Degen, Universitätsprofessor in Pressburg, war ab 1884 Abgeordneter in Budapest für den Bezirk Mattersdorf (Mattersburg) und kandidierte mehrmals für die Liberalen (Link zum Atlas Burgenland). Als Abgeordneter war er beliebt, mehrere Orte des Bezirks ernannten ihn zum Ehrenbürger, später wurde auch die Straße in Mattersburg nach ihm benannt.

Dieser Dr. Gustav Degen besuchte 1886 im Zuge einer Art Wahlkampftour auch Steinbrunn (damals Büdöskut). Ein Artikel gibt über einige interessante Aspekte der damaligen Politik Aufschluss. Im Pester Llyod erschien am 26. Juli 1886, folgende Notiz:

Mattersdorf, 25. Juli. Der Reichstags-Abgeordnete Dr. Gustav Degen wurde auf seiner Rundreise im Wahlbezirke, in den Gemeinden Banfalva, Agfalva, Somfalva, Ujtelek, Völgyfalu und Büdöskut seitens der Bevölkerung, den kirchlichen und weltlichen Behörden in der herzlichsten und freundschaftlichsten Weise empfangen. In den letztgenannten, nahe an der Grenze gelegenen Gemeinden fanden sich auch Oesterreicher zur Anhörung des Rechenschaftsberichts ein, welcher in diesen Gemeinden vom Abgeordneten in deutscher Sprache erstattet wurde. Die Magyarisierung dieser Gemeinden schreitet, wenn auch langsam, so doch sichtlich vorwärts, was insbesondere als Verdienst der Geistlichkeit anzusehen ist, welche im Vereine mit den Lehrern und Gemeinde-Notären eifrig in der Verbreitung der ungarischen Sprache thätig sind.

Folgende Aspekte sind interessant:

  • 1886 galt noch das Zensuswahlrecht. Das bedeutet, dass nur Männer mit einem gewissen Besitz und Einkommen wählen durften. Der Vortrag des Abgeordneten Degen richtete sich demnach an diese wohlhabende Bevölkerungsschicht, nicht an die Masse an Arbeitern und Bauern.
  • Steinbrunn gehörte damals noch zum Bezirk Mattersdorf.
  • Gustav Degen hielt seinen Vortrag in deutscher Sprache. In Steinbrunn war die Umgangssprache damals kroatisch, es gab nur sehr kleine deutschsprachige und ungarische Minderheiten. Kroatisch konnte Degen nicht. Obwohl – wie im Artikel angesprochen – in Ungarn die Magyarisierung verstärkt betrieben wurde, entschied sich Degen im kroatischen Dorf Steinbrunn für einen Vortrag in deutscher Sprache. Das kann als Indiz dafür angesehen werden, dass die deutsche Sprache in Steinbrunn – dank der Grenzlage zu Österreich – der Bevölkerung vertrauter war als die ungarische.
  • Der Vortrag in deutscher Sprache war offenbar auch den „Oesterreichern“ unter den Zuhörern in Steinbrunn geschuldet. Diese könnten aus dem nahen Ebenfurth oder sogar aus Wiener Neustadt gekommen sein, für deren Bevölkerung es schon immer interessant zu wissen war, wie jenseits der Grenze in Ungarn die Lage war.
  • Im Artikel wird festgestellt, dass Degen von den beiden Machtpolen in der Ortschaft begrüsst wurde: „den kirchlichen und weltlichen Behörden“ – also von Pfarrer und dem Dorfrichter mit dem Gemeindenotär (Amtsleiter).
  • Kirche und Gemeindeamt werden auch als Träger der Magyarisierung genannt, wobei die Leistung der Geistlichkeit betont wird.

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