Hannersdorf im Bezirk Oberwart hat einen besonderen Bezug zu Steinbrunn. In der dortigen Pfarrkirche Mariä Geburt befindet sich gemalte Kreuzwegstationen, die aus Steinbrunn stammen.

Der Wikipedia-Eintrag zur Pfarrkirche Hannersdorf vermerkt Folgendes:
„Die 14 Kreuzwegstationen stammen ursprünglich aus der Pfarrkirche Steinbrunn. Sie wurden in den Jahren 1830 bis 1840 gemalt und 1975 restauriert.„
Vor Ort stellen sich einige Fragen.
In Hannersdorf weiß man, dass die Kreuzwegstationen 1968 anlässlich einer umfassenden Renovierung der Kirche angekauft wurden. Damit dürfte die Angabe, dass die Bildtafeln aus der Pfarrkirche Steinbrunn stammen, falsch sein. Vielmehr dürfte es sich um Kreuzwegstationen handeln, die sich in der alten Dorfkapelle zum Hl. Joseph befunden haben. Die alte Kapelle wurde 1964 abgetragen und an der gleichen Stelle die neue Kapelle errichtet.

Die Datierung der Bildtafeln auf die Jahre zwischen 1820 und 1840 könnte allerdings stimmen. Es handelt sich um eine sehr einfache, bäuerlich wirkende Kunst, die aber die vorgeschriebenen Bildinhalte der Stationen sehr illustrativ wiedergibt. Auch die Sprache und Schriftart der Texte passen in diese Zeit.

Allerdings sind es gerade diese Texte zu den einzelnen Stationen, die ein weiteres Rätsel aufgeben. Sie sind nämlich deutsch. Ein Beispiel: „VII. Station: Jesus fällt das Zweyte mahl unter das Kreuz“.
Warum waren die Texte zu den Kreuzwegstationen in der Steinbrunner Kapelle deutsch, wo doch im 19. Jahrhundert nur wenige in Steinbrunn deutsch lesen konnten? Die Umgangssprache war kroatisch, die Kirchensprache Latein.
Mehrere Erklärungen sind möglich: Eine kroatische Schriftsprache gab es in Westungarn zur Entstehungszeit der Bildtafeln noch nicht. Und es wäre möglich, dass die Malereien von einem „deutschsprachigen“ Künstler, etwa in Ödenburg, ausgeführt wurden.
Wir werden weiter recherchieren.